Mitreden und machen lassen

Neulich offenbarte die Stadtverwaltung Neuerungen zum Jugend- und Popkulturfestival Modular. Auch ich habe darüber geschrieben. Bei der Pressekonferenz anwesend waren alle, die mitreden wollen beim nächsten neuen Modular: Oberbürgermeister Griebl, Kulturreferent Grab, Popkulturbeauftragter Goerlich, Stadtjugendring-Vorsitzender Brandmiller sowie der frisch gekürte Festivalleiter Sieber. Doch die fünf Männer sind nicht die einzigen, die etwas zu sagen haben zur Augsburger Kulturpolitik.

Die Eckpunkte des geplanten Umbaus sind schnell noch Mal in eine Nussschalle gepackt: Das nächste Modular soll im Sommer sein, es soll draußen sein, es wird irgendwie zum Rahmenprogramm der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen gehören und es bekommet einen eigenen Festivalleiter. So weit, so harmlos, dachte ich, und fand Gutes daran: Das Sommer-und-Draußen-Ding wird viele freuen, da bin ich mir sicher. Viel entscheidender aber noch, fand ich das Konzept eines unabhängigen, externen Festivalleiters positiv.

Nur: Ein gutes Konzept ist auch der Kommunismus und, naja, ihr wisst schon. Soll heißen, die Besetzung der Position mit Stefan Sieber ist streitbar. So sehr man ihm einen gewissen Erfolg seiner Partyreihe zugestehen sollte, so sehr kann man den Partys fehlende Experimentierfreude und Mainstreamigkeit vorwerfen. Ebenso ist Unabhängigkeit in einer so kleinen Stadt wie Augsburg eine Kategorie mit großflächiger Grauzone.

Albern scheint bisher auch der noch zu klärende Zusammenhang von Fußball-WM und Modular. Natürlich vermuten hier einige, dass der neuen WM-Rahmenprogramm-Task-Force unter Goerlich nichts Besseres eingefallen sei und dass durch diesen Synergie-Move vor allem an Ideen und Geld gespart werden sollte. Kann sein, weiß man aber noch nicht.

Was nun aber außerdem wichtig ist am verkündeten Umbau und was über die eigentlichen Inhalte des Festivals (von denen kaum etwas bekannt ist) hinausgeht, ist der Eindruck, dass Stadtverwaltung und insbesondere das Büro für Popkultur kontinuierlich daran arbeiten Einfluss zu gewinnen auf die großen öffentlichen Veranstaltungen der Stadt. Man könnte es Ihnen schwer verübeln, denn es ist halt ihr Politikspiel, das sie spielen. Nur das Beste für die Popkultur ist es nicht. Beispiel Modular: Lag die Organisation ehemals in den Händen des Stadtjugendrings und der Kulturpark-West-Organisatoren, teilt sich der SJR die Verantwortung nun mit dem Büro für Popkultur.

Es lohnt sich jetzt auch das im November anstehende Medienkunstfestival lab30 als Beispiel in den Überlegungshaufen mit einzubeziehen. Die Website des Festivals ist immer noch unerreichbar und vom Programm wenig bekannt, obwohl das Festival ja quasi vor der Tür steht. In den vergangenen Jahren beteiligt an Organisation und Kuratorium waren Elke Seidel und Barbara Friedrichs vom Kulturamt der Stadt, Robert Rose von der FH, Hans-Christian Grimm, sowie Peter Bommas und Manfred Genther vom Kulturpark West. Vor einiger Zeit schon sind Rose und Grimm öffentlichkeitswirksam aus diesem Kreis ausgestiegen. Offensichtlich aus Unzufriedenheit.

Was das lab30 nun sicher nicht braucht, ist mehr Mitsprache der Stadt, weder von Seiten des Kulturamts, noch von der des Popkulturbeauftragten. Gar nicht, weil das Kulturamt einen so schlechten Einfluss gehabt hätte, sondern einfach weil mehr Verwaltung hier nicht förderlich sein kann. Schön wäre dagegen ein ordentlich berufenes, möglichst vielseitiges, möglichst unabhängiges Kuratorium jenseits kleinster gemeinsamer Nenner der Clubmusik. So viel zum mehrfach aufgetauchten, von mir fahrlässig provozierten Missverständnis, ich würde mich für ein Streamlining des lab30 unter den väterlichen Fittichen des Popbüros aussprechen. Das lab30 ist mir von allen semistädtischen Großveranstaltungen von Brechtfestival bis Modular das Liebste und ich wünsche mir dafür von der Stadt mehr Anerkennung und mehr Unabhängigkeit. Das muss kein Widerspruch sein.

Nach viel »man« und Konjunktiv scheint auf eines Verlass: Der bessere Pop entsteht ohne Politik. Wo die Verwaltung richtig fördern will, sollte sie sich im Zweifel inhaltlich raushalten. Nett, wenn die Stadt etwas finanziell oder infrastrukturell unterstützt, und besser noch, wenn durch eine richtige Kombination aus Fördern und machen lassen neuer cooler Scheiß entsteht, den man ohne Förderung nicht hinbekommeb hätte. Am Ende aber darf und soll sich niemand auf Politik verlassen, wenn es um Kunst, Pop und das ganze Kulturzeug geht. Denn Punks und Hausfrauen wissen es längst: Am besten ist selbstgemacht.

Geschrieben als Bayernkurier des Zündfunk.

12.10.10