Baustellenbesichtigung

Wenn es in Augsburg um Pop und politische Popkulturförderung geht, ist das Jugendkulturfestival Modular ein wichtiger Faktor. Lang ist die Liste der Vorgängerfestivals, die trotz mehr oder weniger großem Erfolg eingestellt wurden. Das aktuelle Jugendkulturfestival, eben das Modular, hat nun aber schon zweimal stattgefunden. Scheinbar höchste Zeit es umzubauen.

Ganz zu meinem sonnenempfindlichen Leidwesen wird das Festival in den Sommer verlegt und zu einem Open-Air-Festival. Sicher ein Schritt den viele begrüßen werden. Das Festival soll sich mehr als zuvor im Freien und öffentlichen Raum abspielen. Ein Konzept – die Älteren werden sich erinnern – mit dem schon einmal ein Jugendkulturfestival der Stadt gearbeitet hatte, nämlich das x-large. Damals ging man mit der Begründung davon ab, ein Festival in der Innenstadt sei zu gefährlich. Gut, dass sich die Zeiten ändern.

Hinter dieser Änderung des Konzepts steht ein politisch-organisatorischer Umbau: Lag die Organisation ursprünglich in der Hand des Stadtjugendrings und zu kleineren Teilen in denen der Kulturpark-West-Macher, teilt sich der Stadtjugendring die Verantwortung nun mit dem städtischen Büro für Popkultur unter Richard Goerlich.

Fun fact: Im Sommer 2011 findet in Deutschland außerdem die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen statt und die neue Augsburger Arena ist eines der neun WM-Stadien. Deshalb ist das Modular 2011 nicht nur Jugendkulturfestival, sondern außerdem Teil des Rahmenprogramms zur Fußball-Weltmeisterschaft. Da bleibt nur zu hoffen, dass die zwei gleichzeitig stattfindenden Feste nicht allzu sehr voneinander »profitieren«. So sympathisch ich vieles auf dem Modular finde, so egal ist mir der Fussball.

Schlecht steht es nicht um meine Hoffnungen, denn zum zukünftigen Festivalleiter soll Stefan Sieber berufen werden, der hier in Augsburg vor allem bekannt ist als Organisator der vielleicht erfolgreichsten Partyreihe für aktuellen Techno und House. Unabhängig von der konkreten Person und überhaupt gut ist an der Besetzung, dass für die Programmgestaltung eine vom Kulturbetrieb relativ unabhängige und doch mit Popkultur vertraute Person zum Festivalchef berufen wurde. Ein Schritt übrigens, der auch dem im November stattfindenden Medienkunstfestival lab30 gut tuen könnte.

Zum Schluss noch einige wenige Worte zu einer anderen Baustelle, nämlich dem im Aufbau befindlichen Veranstaltungsort Ballonfabrik: Geplant ist von den Organisatoren immer noch ein Start zum 1. Oktober. Zwei erste Konzerte empfehle ich unten bereits. Der Redlichkeit halber muss aber gesagt werden, dass alle Zeitangaben nur unter Vorbehalt gemacht werden können. Noch immer gibt es Schwierigkeiten mit der Brandschutzordnung. Einer der Organisator_innen hat mir kürzlich gesagt, er könne nicht versprechen, dass die Eröffnung bis Oktober passieren wird, die Konzerte fänden aber notfalls an anderen Orten statt. Bitte befragt also zeitnah vor dem Ausgehen noch dieses Internetzding, von dem man so viel hört. Ohne Gewähr und so.

Geschrieben als Bayernkurier des Zündfunk.

21.09.10