Ein paar Tausend Euro

In Augsburg entsteht etwas Neues und das mit Ächzen und Staub.Raumbedürftigen aller Art bietet die noch im Umbau begriffene Ballonfabrik Platz für ihre Arbeit und Ideen. Doch aller Aufbau ist schwer.

In Oberhausen, am Rande der Wolfzahnau, sanieren die Macher des Kulturpark West zurzeit Teile der ehemaligen Ballonfabrik für eine Vermietung an Künstler, Kunsthandwerker, Grafiker, Maler und Philosophen, an alle also die sich laut Sprachregelung zur »Kreativen Klasse« zählen dürfen. Insgesamt sind es rund 2.000 Quadratmeter Fläche, die mittlerweile zu großen Teilen vergeben sind. Bedarf scheint es gegebne zu haben. Einige der Künstler und Redaktionen sind schon eingezogen, anderes wird noch geplant. Ab 1. Oktober soll das Gebäude weitgehend bezugsfertig sein. Im ersten Stock soll in einer Zusammenarbeit von Pächtern, dem Büro für Popkultur und dem Wirtschaftsreferat ein Förderprojekt starten, bei dem per Ausschreibung und Jury spannende Start-Ups mit einem Platz zum Arbeiten ausgestattet werden.

Besonders interessant und direkt relevant für Popkultur und Nachtleben der Stadt ist ein emsig im Aufbau begriffenes Veranstaltungszentrum, konzipiert und getragen vom Verein Awaka, einem Zusammenschluss ehrenamtlicher Kulturaktivisten zwischen zwischen 18 und 40. Einige der Mitglieder haben oder hatten zu tun mit dem Politik- und Kulturzentrums »Die Ganze Bäckerei«, dem mittlerweile geschlossenen »Provino Live-Club« und der Initiative »Let There Be Rock«. Gedacht sind die Räume am Ende für Lesungen, Performances und Konzerte aus dem neuen und alten Underground. Auch unbekannte Bands sollen hier kostengünstig vor Publikum spielen können. Das Ganze läuft pragmatisch unter dem Namen des Gebäudes: »Ballonfabrik«.

Als ich die Räume besichtigen darf, bin ich auf der Such nach André, der mir auf Anfrage erste Informationen über den Stand der Dinge geschrieben hatte. Der Boden ist gespickt mit vielen kleinen Häufchen von Holz oder Metall. Es steht schon die für den kleinen Raum relativ große Bühne, die Wände strahlen in einem aktiven Orange. An der Wand hinter der Bühne prangt das Logo des Veranstaltungsorts. 120 Quadratmeter hat der Verein insgesamt angemietet.

Eigentlich wäre der Plan gewesen die ersten Ausgaben von einigen Tausend Euro mit vorgezogenen Konzerten im September zurück zu verdienen, erzählt mir André. Der Brandschutz und dessen Personifizierung, die Feuerwehr, hat diese Pläne aber vereitelt. Jetzt hofft die Gruppe auf die Eröffnung ab 1. Oktober oder gar auf eine Sondergenehmigung. Dafür ist noch diese Woche ein runder Tisch mit den Pächtern, dem Ordnungsamt und dem Popkulturbeauftragten Richard Goerlich in Planung.

Nach nur wenigen Minuten Gespräch mit André läutet sein Handy. Am Telefon Richard Goerlich vom Popbüro, der dem Verein endlich 3000 Euro zusagen kann, die bitter benötigt werden für eine Tonanlage. Einige im Raum nehmen die Botschaft mit Freude auf, André scheint noch nicht ganz erleichtert. Viel zu lange sei von Seiten der Stadt und des Büros für Popkultur nichts passiert, meint er. Doch dieser Zuschuss aus den Geldern der städtischen Popkulturförderung ist ein Anfang. Ihr und ich sollten das im Blick behalten.

Geschrieben als Bayernkurier des Zündfunk.

31.08.10