Alles in Ordnung

Augsburg, eine Stadt von Welt. Es herrscht ein Kommen und Gehen, alles ist in Bewegung. Der unumstößliche Beweis: Bayernkurierautoren wechseln bei uns regelmäßiger als die Jahreszeiten. So vertrete ich für die nächsten Wochen noch einmal die gute Jasmin und hoffe, ihr fühlt euch weiterhin gut informiert und unterhalten.

Versteht mich nicht falsch. Natürlich gehört mehr zu einer Weltstadt, als eine hohe Wechselfrequenz der lokalen Onlinekolumnisten, schwierig aber ist es nicht. »Weltstadt« ist nicht mehr das Qualitätssigel, das es mal war. Heute ist alles Welt, was halbwegs ans Internet angeschlossen ist. Und Internet haben wir hier, das weiß ich mit Sicherheit.

Vergangenen Samstag war auf dem Augsburger Rathausplatz Christopher-Street-Day, der internationale Fest- und Demonstrationstag von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender. Entstanden 1969 in New York aus Protesten gegen die andauernde Polizeiwillkür gegen schwule Bars und Kneipen, ist der CSD heute zu einer Tradition geworden, die in vielen Städten weltweit begangen wird.

So oder so ähnlich auch in Augsburg: Der 80er-Star Limahl war eingeladen, die Augsburger Allgemein berichtete wohlwollend und der CSU-Oberbürgermeister Gribl war erklärter »Schirmherr«. Pavillons und Sonnenschirme wurden aufgestellt, dazwischen Biertische. Die mittelgroße Bühne für das Programm von Musik bis Travestie stand an einem Ende des Platzes. Fast alle Altersgruppen waren vertreten. Mehr als 2000 Besucher seien da gewesen, schreibt die AZ, »so viele wie noch nie.« Alles scheint in Ordnung.

Doch der Vorsitzende des CSD Augsburg, Sven Häberle, schreibt in seinem Vorwort zur Veranstaltung auch, dass es in einigen Gesellschaftsbereichen noch immer schwierig bis ausgeschlossen scheint schwul zu sein – im Profifussball an erster Stelle, aber auch bei der Polizei oder als Lehrer. Diese bleibenden Probleme sind nicht überraschend, jeder weiß von den noch tiefsitzenden Vorbehalten gegenüber Homosexuellen.

Das harmlose, fast provinzielle Volksfest auf dem Rathausplatz scheint auf den ersten Blick unberührt davon. Da ist es gut, dass Häberle an der ein oder anderen Stelle auch die noch offenen Wunden anspricht. Auch Besucher des CSD reden davon, dass es insgesamt zwar besser geworden sei, es aber auch oft an Akzeptanz fehle. Das Grußwort des OBs klingt leider eher nach einer Erfolgsgeschichte mit Happy End.

Schnell ist man also Weltstadt, die internationale Traditionen aufgreift und nachfeiert. Ein erfolgreiches und offenes Zusammenleben garantiert das allein noch nicht.

Geschrieben als Bayernkurier des Zündfunk.

17.08.10