Contact, Love, Want, Have

Was man lange einfach Dubstep genannt hat, wird immer diffuser und widerspenstiger. Ein gutes Zeichen, heisst es doch, das Ding ist am Leben. Verdanken darf man das neben vielen anderen Ikonika, bürgerlich Sara Abdel-Hamid, die ihre seltsame Bassmusik seit 2008 vor allem auf dem Londoner Label Hyperdub veröffentlicht. War Ikonika bisher eines der vielen Wunderkinder auf dem Querschläger Hyperdub, macht sie jetzt mit ihrem Album einen hörbaren Unterscheid.

Im von Dubplates und Neuheit strukturierten Hardcore-Universum bietet sich das Format Album nur wenig an und wer es trotzdem wagt, muss einen Drahtseilakt stehen zwischen nichtssagendem Fahrstuhlstep und allzu schematischer Tanzmusik. Ikonikas Ausweg aus dieser Misere ist sperrig, nicht aber kompliziert und schon gar nicht Hightech. Das Album biedert sich weder dem leichten Hören noch der Tanzfläche an.

»Contact, Love, Want, Have« ist voller Science-Fiction und Videospiel-Utopie. Das macht das Ganze überraschend emotional, auch dafür dass es mit so einfachen und abstrakten Synthiesounds arbeitet. Es geht monumental und verträumt zu, bleibt aber immer angespannt, nicht zuletzt wegen Ikonikas seltsam unruhigen Melodien und hüpfenden Rhythmen. Ein gutes Stück Pop: leichtfüßig, verspielt, laut und schief.

13.06.10