Welche Zukunft?

Ist sie das jetzt, die Zukunft? 2010 klingt so wahnsinnig futuristisch. Aber kann das sein? Ich sehe keine fliegenden Autos. Und überhaupt: die Zukunft ist so unsichtbar heutzutage. Sogar das Jammern über das Fehlen von Utopien hat schon Tradition. Passenderweise hat das Jahr in Augsburg genauso begonnen: kurzsichtig.

An Silvester habe ich gearbeitet. Der Jahreswechsel hat sich erfolgreich an mir vorbei geschlichen. Oder ich mich an ihm. Jedenfalls hatten wir es leicht uns aus dem Weg zu gehen, denn während der ersten Stunden des neuen Jahres herrschte in Augsburg ein unglaublich dichter Nebel. Keine drei Meter konnte man sehen. Autos sind weder geflogen noch gefahren, sondern nur im Schritttempo und mit eingeschalteten Warnblinkanlagen durch die Stadt gekrochen. Hauptsächlich war der Nebel eine Laune des Wetters, habe ich gelesen. Aber angeblich hat auch der Rauch der Böller und Raketen die Nebelbildung beschleunigt und verstärkt. So vermutet es zumindest Walter Putz von der Wetterstation Mühlhausen in der Augsburger Allgemeine.

Blindflug überall? Nein, natürlich gibt es im neuen Jahr auch Dinge, die man schon heute und ohne Zukunftsforschung vorhersehen kann. Zwei große Festivals stehen zum Beispiel an in Augsburg. Das Jugendkulturfestival Modular läuft sich quasi schon warm. Wie auch bei seinem Debüt im letztes Jahr gehen dem dreitägigen Festival über ein Duzend Workshops voraus, bei denen Jugendliche zwischen 14 und 18 in Mittel und Wege der Popproduktion schnuppern können. Die Workshops sind schon seit Ende letzten Jahres im Gange und bieten Einblicke in Streetart, Improtheater, Fotografie und vieles mehr. Das Kernfestival läuft dann ein Wochenende lang im April mit Konzerten, Performances und Installationen.

Veranstaltet und organisierst wird das Ganze vom Stadtjugendring Augsburg – und deshalb auch kritisch beobachtet. Vor allem weil vergangenen Projekten des SJRs wie dem »xlarge« oder der »Popcity« kein langes Leben vergönnt war. Wie immer wieder geht es auch hier um die Frage, inwieweit sich die öffentliche Hand in der Popkulturförderung engagierten sollte. Geld ist erstmal schön, aber nur solange die geförderten Künstler autonom und rebellisch bleiben.

Ganz ohne Geld ist aber halt auch blöd. Das schöne Brecht-Festival »augsburg brecht connected« (abc) wurde ja schon 2008 vom Kulturreferent Peter Grab überraschend weggespart. Dafür gab es im letzten Jahr das – nett gesagt – sehr seltsame »ku.spo«, bei dem Fußballer Märchen vorgelesen haben – und das gut bezahlt. Weil aber der gute Brecht auch weiterhin im Februar Geburtstag hat, gibt es vom 29. Januar bis 10. Februar das »Brecht Festival Augsburg«. Schön ist schon mal das Programmheft, dem ein paar Aufkleber mit Brecht-Zitaten anhängen. Dabei zum Beispiel: »Der stinkende Atem der Provinz.« Ich bin mir sicher, es wäre ganz im Sinne Brechts, das bourgeoise Augsburg mit seinen Sprüchen zu verkleben. Auch toll: Drin im Programmheft steht ein Konzert von Gustav. Hoffentlich klappt es. Die Zukunft ist doch so unsicher.

Geschrieben als Bayernkurier des Zündfunk.

05.01.10