Nicht anders

»Das ist in München und Augsburg so, und das ist auch hier in Berlin nicht anders«, hat mir der Sacharbeiter der BVG durch den schmalen Spalt im Panzerglas gesagt. Gemeint hat er, dass hier wie da eine Anzeige gestellt werden müsse, wenn eine Straftat begangen worden ist. Meine Straftat war es, mit einem gefälschten Fahrschein gefahren zu sein. Das Kaufen gebrauchter Fahrkarten von Pennern, Punks und Junkies galt mir bisher als grundzuverlässig, zumindest in Berlin. In Augsburg würde ich dem nicht trauen. Ich bin abgelinkt worden.

Unbedingt nötig wäre mein Spartrieb beim Fahrkartenkauf nicht gewesen, denn eigentlich fährt man recht günstig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Berlin. Dafür wird intensiv kontrolliert: Erwischt worden bin ich gleich bei meiner ersten Fahrt. In Augsburg dagegen plant der Verkehrsverbund eine Preiserhöhung um 4,5 Prozent bis zum Jahresende, was sogar die zuständige Aufsichtsbehörde der Regierung von Schwaben für kritikwürdig hält. So berichtet es zumindest die Augsburger Allgemeine vom letzten Wochenende.

Die Gründe für meinen Berlinbesuch waren teilweise sogar geschäftlich, aber ich habe auch Freunde besucht, die ich schon gekannt habe, als sie noch Augsburger waren. Klassische Berliner Einwandererkarrieren haben die: Anstrengende Jobs im prekären Kulturbetrieb oder professionalisierte Partyleben, wie man sie hier in Augsburg nur schwer führen kann. Ein Bisschen anders ist es dann doch in der jungen Hauptstadt.

Nicht nur dass man bis 24 Uhr in normalen Supermärkten einkaufen kann. Es kann auch sein, dass man nach harmlosen Kaffeebestellungen (sinngemäss: »Einen Cappuccino bitte«) gefragt wird, ob man Englisch spricht. Sicher hat es an meinem Dialekt gelegen. Besser verberge ich ihn das nächste Mal von vornherein hinter weltmännischem Englisch.

Rebellischer ist Berlin natürlich auch. Ehrensache. Ist ja sozusagen die Welthauptstadt der friedlichen Revolution. So haben Berliner Studierende dann am Freitag weiter die Hörsäle der drei großen Hochschulen der Stadt besetzt gehalten. Nach Wiener Art. Und während in Bielefeld und Tübingen die besetzten Räume schon wieder geräumt werden mussten, wurden die Berliner Proteste am Freitag noch von den Hochschul-Leitungen geduldet. Der Asta der Augsburger Universität beteiligt sich dieses Mal erst gar nicht an den bundesweiten Aktionen, zumindest nicht als offizieller Vertreter der Studierenden.

Wo es also nicht um gefälschte Fahrkarten und Straftaten geht, gibt es Unterschiede zwischen A und B. Wer hätte das gedacht? Nicht der Mann hinter dem Panzerglas.

Geschrieben als Bayernkurier des Zündfunk.

17.11.09