Deep Space Nerd

Ihr wisst es schon, Nerd ist Pop. Hemden sind zugeknöpft, Hosenbeine hochgekrempelt und vierundzwanzig Stunden ohne Tageslicht schafft heute jeder durchschnittliche Internetanfänger mit Facebook und Youtube. Poptheoretischer Haken dabei ist alleine, dass Nerds angeblich zuerst männlich sind. Das will entweder widerlegt oder geändert werden. Beispielhaft hat sich das dem Popfeminismus verschriebene Missy Magazin gleich in seiner ersten Ausgabe dieser Kluft angenommen; mit einer Modestrecke über Nerdinen. Jedenfalls muss das, was Nerd ist, unter die Gender-Lupe, gerade wenn es Pop sein will.

Gehen wir an die Substanz, zurück in eine Zeit, in der Nerds nicht wussten, dass sie soziale Prototypen und Stilikonen werden würden: Zurück in die Neunziger, schauen wir Star Trek. In der ersten Neuauflage der Serie, in »The Next Generation«, hatten Frauen zwar zentrale Rollen, allerdings recht typische als Psychologin und Ärztin. Wohl Wissenschaftlerinnen, aber doch in klassisch pflegenden Rollen. Nicht besonders unkorrekt, aber auch nicht sehr subversiv war das. Ruppiger und ein regelmäßigeres Thema wird Geschlecht mit »Deep Space Nine«. Bestes Beispiel dafür ist die Rolle Jadzia Dax‘.

Ihr aktueller Körper – der einer jungen Frau – ist nicht ihr erster. Ein Teil von ihr hat auch schon als Mann gelebt. Sie ist ein »serial hermaphrodite«. Sie kämpft mit gewalttätigen Klingonen und spielt mit sexistischen Ferengis, ihr Spitzname ist »old man«. »Voyager« scheint dagegen ein Rückschritt. Es war zwar höchste Zeit für einen weiblichen Captain, aber Kathryn Janeway ist so cross-gender wie die Königin von England. Borg-Barbie Seven of Nine daneben wirkt trotz vulkanischer Logik und astronomischem Fachwissen irgendwie immer wie das sexy Quotenblondchen. Mein Bittorrent-Tipp für historisch interessierte Nerds und Nerdinen bleibt deshalb: Star Trek DS9.

Geschrieben für die Berliner Gazette.

07.04.09